Das Inselviertel im Cloppenburger Norden ist in den 1960er Jahren entstanden. Bis in die 1990er Jahre dehnte es ich auf eine Fläche von 52 Hektar aus. 1972 hatte die Stadt einen Bebauungsplan erstellt, der Bauherren weitgehend freie Hand ließ. Mit steigenden Bodenpreisen entstanden auf freiwerdenden Grundstücken immer häufiger großdimensionierte Mehrfamilienhäuser, die den alten Einfamilienhauscharakter zerstörten. Im Frühjahr 2021 formierte sich anlässlich zweier geplanter Großprojekte in der Juiststraße der Widerstand einzelner Anwohner. Im August 2021 hatte ihre Bürgerinitative mit ca. 600 Unterschriften beim Bürgermeister gegen immer größere Bauobjekte protestiert. Daraus ist jetzt ein Verein entstanden. 29 Gründungsmitglieder trugen sich bei der Gründungsversammlung am vergangenen Freitag im Pfarrheim St. Augustinus ein.
Der Verein will sich, wie es sein Name benennt, für den Erhalt gewachsener Wohn- und Siedlungsstrukturen in Cloppenburg einsetzen, erklärte der neue Vorsitzende, Dr. Ludger Heuer. „Wir sind nicht gegen eine maßvolle Verdichtung“, betonte er. Immerhin gebe es viele große Grundstücke, die durchaus ein zweites Gebäude vertragen würden. Auch gegen den Ersatz eines alten Einfamilienhauses durch ein modernes Doppelhaus oder moderat geplante Mehrfamilienhäuser, die ihre Nachbargebäude nicht überragen, sei nichts zu sagen. „Wogegen wir uns aber ganz klar wenden sind Planungen, Einfamilienhäuser durch 6-8, bei einer Teilung großer Grundstücke sogar um 10-12 Wohneinheiten zu ersetzen. Solche Grundstücke, von denen es leider schon einige Beispiele gäbe, würden komplett versiegelt.
Die Initiative hatte im vergangenen Jahr mit Politikern aller Fraktionen Kontakt aufgenommen und sie zu Begehungen eingeladen. Mit der Stadtverwaltung und Bürgermeister Varnhorn steht sie im Austausch. Heuer lobte ausdrücklich den neuen Stil der Bürgerbeteiligung, der jetzt im Rathaus zu spüren sei. Und er hegt die Hoffnung, mit der Stadt Einigung in strittigen Fragen des neuen Bebauungsplanes erzielen zu können. Um diesen Plan in Ruhe überarbeiten zu lassen, hatte der Stadtrat im August eine zweijährige Veränderungssperre erlassen. Diese Tatsache und der Anwohnerprotest hat den ersten Großinvestor schon wieder zum Rückzug bewogen, freute sich Heuer. Bis zum 24.2. liegen die Pläne bei der Stadt öffentlich aus, bis dahin sind Einsprüche und Anmerkungen möglich. Auch der neue Verein wird sich dabei zu Wort melden. Online sind sie zu finden unter https://cloppenburg.de/bau-planung/bauleitplanverfahren.php.
In den Vorstand des „Verein zum Erhalt gewachsener Wohn- und Siedlungsstrukturen in Cloppenburg“ wurden einstimmig gewählt:
Vorsitzender: Dr. Ludger Heuer
1. stellv. Vorsitzender: Prof. Bernhard Wesenick
2. stellv. Vorsitzender: Olaf Clausen
Schriftführerin: Gabriele Aumüller
Kassiererin: Martina Freude
Beisitzer: Bernhard Diekmann
Beisitzer: Dorothea Abeln
Der Verein will in den nächsten Wochen weitere Mitglieder werben. Eingeladen sind nicht nur Bewohner des Inselviertels, sondern auch Bewohner anderer Stadtteile. Einzelmitglieder zahlen im Jahr 36 €, Familien 50 €, Schüler, Studenten und Empfänger von Transferleistungen 12 €.
Kontakt: ludger.heuer@inselviertel.de, Tel. 04471/7011718.
Beitrittsformulare können im Download-Bereich runtergeladen werden.

